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Das Antoniusfeuer
Eine der mörderischsten Plagen des Mittelalters ist das « Antoniusfeuer » oder « heilige Feuer ».
Ganz Europa ist davon betroffen, in der Dauphiné tritt es um 1090-1096 erstmals in Erscheinung.
Es handelt sich dabei um eine Lebensmittelvergiftung, die zwei unterschiedliche Aspekte aufzeigt: Krämpfe und Brand.
Sie führt zu unheilbaren Schäden; die Muskeln versteifen, die Gliedmaße werden brandig, eitrige und ekelerregende Wunden treten auf und das Gehirn wird nur unzureichend versorgt.
Dadurch hat der Kranke demenzartige Halluzinationen.
Für viele Kranke ist der Glaube an die Wunderkraft eines Heiligen und besonders des Heiligen Antonius die einzige Hoffnung gegen die furchterregende Krankheit.
Im Jahr 1596 gelingt es an der medizinischen Fakultät von Marburg (Deutschland),
den Ursprung der Krankheit zu identifizieren:
mit Mutterkorn-Pilz (Claviceps purpurea) befallener Roggen vergiftet das Blut.
« Das Leiden begann mit einem schwarzen Fleck, der sich rasch ausbreitete und schreckliche Hitze verursachte,
die Haut austrocknete, das Fleisch verfaulte und die Muskeln von den Knochen ablöste und in Fetzen abfallen ließ.
Dieses verzehrende Feuer verbrannte langsam die Opfer, gegen deren Leiden es keine Abhilfe gab.
Viele erlitten das Schlimmste innerhalb einer Nacht oder starben nach wenigen Stunden. »
Text von Sigebert von Gembloux aus dem 11. Jahrhundert.
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